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Neuer DWS-Chef will "überschwänglichen" ESG-Hype herunterfahren

Für den neuen Chef der DWS Group, Stefan Hoops, ist es an der Zeit, das “überschwängliche” Marketing für nachhaltige Investitionen etwas zurückzufahren.

Stefan Hoops, DWS
Stefan Hoops, DWS© DWS

Der jüngste Hype um "ESG" war und ist für viele Marktbeobachter übertrieben. Das sieht derzeit auch Stefan Hoops so. Der DWS-Chef räumt ein, dass die Werbung für ESG-Investments überdacht werden sollte, schreibt Bloomberg.

ESG-Marketing war zeitweise "überschwänglich"
“Es ist wichtig, dass sich große Vermögensverwalter weiterhin für ESG engagieren”, sagte er bei einem Pressegespräch am Mittwoch. “Angesichts all dessen, was uns widerfahren ist, müssen wir einer der Fahnenträger für ESG in Europa bleiben.” Im Nachhinein betrachtet gab es jedoch “eine ganze Zeit lang ein überschwängliches Marketing, das zurückgeschraubt werden sollte”, so Hoops.

Zuvor hatte die DWS eine neue Strategie und Finanzziele für 2025 vorgelegt, die den Asset Manager wieder für Investoren interessanter machen sollen. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung von bis zu 8,1 Prozent auf 32,62 Euro, das höchste Niveau seit kurz nach Hoops Antritt im Juni.

ESG ist nicht immer klar zu definieren
Die interne Untersuchung der DWS zu den angeblich übertriebenen Darstellungen ihrer ESG-Produkte stehen Hoops zufolge kurz vor dem Abschluss. Er stehe jedoch weiter zu den Offenlegungen der Firma. Mit den Behörden in den USA und in Deutschland arbeite man eng zusammen.

Gegen die zu 80 Prozent der Deutschen Bank gehörende DWS ermitteln in den USA die Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) und in Deutschland die Bafin. Auslöser waren Aussagen der früheren Nachhaltigkeitschefin Desiree Fixler, laut der die DWS ihre Kunden in Sachen ESG in die Irre geführt habe.

Die Untersuchungen führten Ende Mai zu einer Razzia bei der DWS, die den Rücktritt des damaligen Vorstandsvorsitzenden Asoka Wöhrmann beschleunigte. Die DWS hat die Vorwürfe des Greenwashings von Anfang an zurückgewiesen.

Zum Stichtag war alles korrekt
Er habe sich genau angeschaut, wie die DWS zu ihren früheren ESG-Angaben gekommen sei, einschließlich jener Angaben in den Jahresberichten 2020 und 2021, die von Fixler kritisiert worden waren, sagte Hoops.

Seine Prüfung habe ihn davon überzeugt, dass die Informationen zum damaligen Zeitpunkt korrekt waren, auch wenn die DWS aufgrund der sich entwickelnden Regulierung ihre Handhabung der ESG-Angaben später geändert habe.

Mit seinem Appell zu leiserem ESG-Marketing ist Hoops nicht allein. Anwälte raten ihren Mandanten in der Fondsbranche angesichts der Zunahme von ESG-Bestimmungen und eines aggressiveren regulatorischen Umfelds ähnliches. (aa)

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