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US-Notenbank sieht weiten Weg bis zum Inflationsziel

Die Teuerung in den USA könnte ihren Höhepunkt überschritten haben, sagt Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management. Für die US-Währungshüter sei das aber noch kein Grund, sich zurückzulehnen.

Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management
Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management© BlueBay Asset Management

„Die weltweiten Anleiherenditen schwankten in einer ereignisreichen Zentralbank-Woche. Der zweite positive US-Verbraucherpreisindex in Folge ließ die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen innerhalb eines Tages stark fallen, bevor sie wieder auf 3,50 Prozent stiegen. Das war typisch für das jüngste Marktgeschehen: Die erhöhten Unsicherheiten halten die Volatilität bei festverzinslichen Wertpapieren hoch – selbst wenn es in anderen Bereichen, wie am Aktienmarkt, ruhiger blieb". So beschreibt Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management, die aktuelle Situation an den Märkten.

Fed Dots
Wie erwartet hat die US-Notenbank die Zinssätze um 50 Basispunkte auf 4,25 Prozent bis 4,5 Prozent angehoben. Die Mehrheit der Vertreter des Offenmarktausschusses geht nun davon aus, dass sie Ende 2023 über 5 Prozent liegen werden. Damit gibt es eine Diskrepanz zwischen den Fed-Prognosen und den Markterwartungen. Letztere gehen davon aus, dass die Zinsen im kommenden Jahr steigen, dann aber Ende 2023 wieder in den Bereich von 4,25 bis 4,5 Prozent fallen werden.

Inflation Peak ist erreicht, Treasury-Renditen werden aber bis in Q1-2023 steigen
Der Rückgang der monatlichen Inflationszahlen spricht dafür, dass die Gesamtinflation ihren Höhepunkt überschritten hat und bis ins nächste Jahr hinein nach unten tendiert. Fed-Vorsitzender Jerome Powell bekräftigt jedoch, dass es noch ein weiter Weg bis zu einer nachhaltigen Teuerungsrate von zwei Prozent ist. Bei BlueBay geht man weiterhin davon aus, dass die Renditen von US-Staatsanleihen bis in das erste Quartal des kommenden Jahres hinein steigen werden.

EZB gibt sich hawkish
In der Eurozone haben die Entscheidungsträger der Europäischen Zentralbank (EZB) den Einlagezins auf 2,0 Prozent angehoben und die Inflationsprognosen für die kommenden Jahre nach oben korrigiert. EZB-Chefin Christine Lagarde wies die Marktteilnehmer anschließend darauf hin, dass sie in Zukunft mit höheren Zinssätzen rechnen müssten. Je nach Datenlage seien weitere Erhöhungen um 50 Basispunkte möglich.

Eurozone: Wirtschaft robuster als erwartet
Die Zuversicht, dass die Wirtschaft der Eurozone höhere Zinsen verkraften kann, könnte auf den optimistischeren Wachstumsaussichten beruhen. Die EZB rechnet für die kommenden Jahre mit einem milderen Abschwung.

UK
Im Vereinigten Königreich hob die Bank of England (BoE) die Zinsen um 50 Basispunkte auf 3,5 Prozent an. In BlueBays Prognose für 2023 geht man weiterhin davon aus, dass die BoE hinter den Markterwartungen zurückbleibt und sich schwer tut, die Zinsen auf über 4,0 Prozent anzuheben. Ein Großteil des geldpolitischen Komitees (Monetary Policy Committee, MPC) ist der Ansicht, dass sich die Zinsen bereits in einem sehr restriktiven Bereich befinden. BoE-Gouverneur Andrew Bailey selbst hat gesagt, dass der vom Markt erwartete Höchstsatz zu hoch sei.

Britische Inflation hartnäckiger als anderswo
BlueBay AM geht davon aus, dass die Inflation im Vereinigten Königreich im Vergleich zu anderen Märkten hartnäckiger bleiben wird. Das Haus kann sich nur schwer vorstellen, dass sich die Renditen von Staatsanleihen mittelfristig unter drei Prozent einpendeln werden.

Fazit
Insgesamt bleiben die Märkte zum Jahresende etwas richtungslos: "Die Liquidität nimmt ebenso ab wie die Bereitschaft der Investoren, neue Risiken einzugehen. Wir bleiben in unserem Ausblick vorsichtig“, konstatiert Dowding. (kb)

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