Institutional Money, Ausgabe 4 | 2024

scheinlichkeiten für Bankkredite an Doppelkreditnehmer und vergleichbare reine Bankkreditnehmer ausgewirkt hat. Um Bedenken auszuräumen, kontrollieren sie die Regressio- nen im Hinblick auf die fundamentalen Kenngrößen der Kreditnehmer, die Kreditbedingungen und berücksichtigen auch Kredit- und Zeit-fixe Effekte. Zu Beginn von Covid-19 nahmen Doppelkreditnehmer ihre Kreditlinien stärker in Anspruch und erlebten einen stärkeren Anstieg der Ausfall- wahrscheinlichkeiten als vergleichbare reine Bankkreditneh- mer. Das heißt, die Banken verbanden die Inanspruchnah- me der Kreditlinie mit einem erhöhten Ausfallrisiko.Gleich- zeitig waren Doppelkreditnehmer eher bereit, Kreditgaran- tien Dritter zu stellen, etwa durch Private-Equity-Sponsoren. Das Risiko der Inanspruchnahme der Kreditlinie und das Ausfallrisiko sind eng miteinander verknüpft, insbesondere bei Doppelkreditnehmern.Während die Inanspruchnahme der Kreditlinie im Allgemeinen mit einem erhöhten Aus- fallrisiko verbunden ist, stellten die Autoren fest, dass dieser Effekt bei Doppelkreditnehmern stärker ausgeprägt ist. Die- se Ergebnisse deuten darauf hin, dass Private Debt eine negative Externalität auf Bankkredite desselben Kreditneh- mers ausübt, und zwar durch Inanspruchnahme der von der Bank bereitgestellten Kreditlinien.Wenn ein Bankkreditneh- mer auch auf Private Debt angewiesen ist, statt nur bei Ban- ken Kredite aufzunehmen, greift er in Notlagen stärker auf seine Kreditlinien zurück und wird nach einer Inanspruch- nahme der Kreditlinie mit höherer Wahrscheinlichkeit zahlungsunfähig. Inanspruchnahmen verringern zudem die Kapitalisierung der Banken,was diese dazu zwingt, entweder neues Kapital aufzunehmen – was in Krisenzeiten kostspie- lig sein kann – oder ihre Kreditvergabe zu reduzieren und Gewinne einzubehalten anstatt diese auszuschütten. Erlösverwendung Als Nächstes untersuchen die drei Autoren, wie Doppel- kreditnehmer die Erlöse aus Privatkrediten verwenden. Dabei stellen sie fest, dass der Zugang zu Private Debt mit einem Anstieg der immateriellen Vermögenswerte und des Umsatzwachstums sowie einem Rückgang der Cash-Gut- haben verbunden ist, aber keinen signifikanten Einfluss auf die Investitionsausgaben, also die Investitionen in Sachan- lagen, hat. Viele Doppelkreditnehmer sind in technologie- bezogenen Sektoren tätig und relativ weniger auf Sachanla- gevermögen angewiesen, was diese fehlende Wirkung auf Investitionsausgaben erklären könnte. Stattdessen deuten die Analyseergebnisse darauf hin, dass Unternehmen die Erlöse aus Privatkreditaufnahmen zur Finanzierung von Wachs- tum, Expansion und für Investitionen in immaterielle Vermögenswerte verwenden, was wohl das Umsatzwachs- tum ankurbelt. Den Ergebnissen zufolge bieten Banken und Private- Debt-Kreditgeber unterschiedliche und nicht vollkommen substituierbare Fremdfinanzierungen an. Ein dieser Inter- pretation inhärentes Problem ist die Schwierigkeit, die Kre- ditnachfrage- und die Kreditangebotseffekte auseinanderzu- dividieren. Um diese beiden zu trennen, nutzten die Auto- ren den Zusammenbruch der Silicon Valley Bank (SVB) im März 2023 als negativen exogenen Angebotsschock für ge- hebelte und riskante Bankkredite. Haque, Mayer und Stefan dokumentieren, dass der Zu- sammenbruch der SVB mit einem Rückgang der Anzahl von Leveraged Loans von Banken im Vergleich zu den Vor- jahren verbunden ist, während andere Arten von Bankkre- diten davon nicht betroffen zu sein scheinen. Dies deutet auf eine Verschärfung der Kreditvergabestandards der Ban- ken hin. Offensichtlich haben die Banken nach dem Zu- sammenbruch der SVB ihre riskante Kreditvergabe reduziert und damit eine geringere Risikotoleranz gezeigt, beispiels- weise aufgrund der zunehmenden Unsicherheit und Angst vor einer Bankenkrise größeren Ausmaßes. Jedenfalls wirkte sich der Zusammenbruch der SVB auf die Kreditspreads für neu vergebene Private-Debt-Kredite an Doppelkreditnehmer auf unterschiedliche Weise aus, je nachdem ob Bankkredite und Private Debt sich ersetzen oder ergänzen. Wenn Bank- kredite und Private Debt perfekte Substituenten sind, kon- kurrieren Banken und Private-Debt-Kreditgeber bei der Bereitstellung der gleichen Art von Krediten (mit ähnlichem Risikoniveau). Da die Banken dann nach dem Zusammen- bruch der SVB davon absehen, die riskantesten Kredite zu vergeben, werden diese risikoreichen Kredite zunehmend zu Private-Debt-Kreditgebern verlagert, was die Kreditqualität senkt und die Spreads für den durchschnittlichen neu ver- gebenen Private-Debt-Kredit erhöht. Es lässt sich interessan- terweise feststellen, dass der Kollaps der SVB mit einem Rückgang der Spreads für neu vergebene Private-Debt-Kre- dite an Doppelkreditnehmer verbunden ist, was die Annah- me widerlegt, dass Bank- und PD-Kredite perfekte Substi- tuenten sind. Das heißt, für Doppelkreditnehmer und auch für reine Bank- und reine Private-Debt-Kreditnehmer ohne Zugang zu beiden Kreditarten sind Bank- und Privatschulden nicht vollkommen substituierbare Finanzierungsinstrumente. Die Studienergebnisse legen nahe, dass Private Debt relativ riskantere Bankkredite ersetzt, aber auch Bankkreditlinien ergänzt. Diese Komplementarität kann jedoch auch kost- spielige externe Effekte auf Bankkredite mit sich bringen, indem das Risiko der Inanspruchnahme von Kreditlinien verschärft wird. DR. KURT BECKER 94 N o . 4/2024 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Kapitalstruktur FOTO: © FEDERAL RESERVE SYSTEM » Die Komplementarität von Private Debt zu Bankkrediten kann kostspielige externe Effekte auf Bankkreditlinien mit sich bringen. « Irina Stefanescu, PhD, Group Manager Board of Governors, Federal Reserve System, Div. of Research and Statistics in Washington D.C.

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