Institutional Money, Ausgabe 4 | 2024

ken, Unternehmen und privaten Anlegern erreicht werden kann. Wir haben dazu einerseits einen steuerbegünstigten Klimasparplan sowie andererseits einen nationalen Trans- formationsfonds vorgeschlagen.Weil es wichtig ist, den Bür- gerinnen und Bürgern Wege für Investitionen in die Nach- haltigkeit zu bieten, die für sie attraktiv sind. Wie ist denn die Idee zu einem Klimasparplan entstanden? Michael Dittrich: Wir haben das Konzept dazu im Grunde aus Frankreich adaptiert. Dort gibt es ein Sparbuch, das Eltern für ihre Kinder anlegen können und das erst zur Aus- zahlung bereitsteht, wenn die Kinder 18 Jahre alt sind. In Frankreich bezieht sich das Modell aber nicht nur auf den Klimaschutz. Wir haben uns gefragt, warum man nicht einen Klimasparplan für die Transformationsfinanzierung allen Bürgerinnen und Bürgern anbieten soll. Bei unserem Vorschlag würde dieser Sparplan eine Mindestlaufzeit von zehn Jahren haben mit ganz engen Voraussetzungen, um ihn vorher zu kündigen. Und die ersten 25.000 Euro, die man einzahlt, müssten von der Kapitalertragsteuer befreit sein, um eine Anreizwirkung zu erzielen. Was lässt sich denn über die Erfahrungen der Franzosen sagen? Michael Dittrich: Dort ist es ein voller Erfolg. In diesemMo- dell wurden dreistellige Milliardenbeträge angelegt. Wenn Ähnliches auch hierzulande gelingen könnte,würde uns das einen guten Schritt voranbringen auf dem Weg, Deutsch- land bis 2045 klimaneutral zu machen. Denn die Kosten dafür sind enorm. Laut einer Studie von Prognos werden dafür Mittel in einer Größenordnung von fünf Billionen Euro notwendig sein, davon zwei Billionen tatsächliche Zu- satzkosten.Wenn man angesichts solcher Summen bedenkt, dass die Bundesbürger aktuell rund 40 Prozent ihres priva- ten Kapitalvermögens von derzeit rund 7,7 Billionen Euro in sehr niedrig verzinsten Sichteinlagen und Sparbüchern halten, so wäre schon viel gewonnen, wenn davon nur ein kleiner Teil für die Transformation aktiviert werden könnte. Und was hat es mit dem Vorschlag der Einrichtung eines natio- nalen Transformationsfonds auf sich? Michael Dittrich: Damit richten wir uns eher an wohlhaben- dere Menschen. Ein solcher Fonds würde sozusagen das gesetzliche Rahmenwerk, das wir schon für offene Immobi- lienfonds und offene Infrastrukturfonds haben, um nachhal- tige offene Infrastrukturfonds erweitern. Das könnte mit relativ wenigen neue Vorschriften umgesetzt werden. Auch dabei geht es darum, mit den eingeworbenen Mitteln die Finanzierung von nachhaltigen Projekten der Transformation – etwa die Errichtung von Ladesäulen, den Netzausbau und Ähnliches – zu ermöglichen. Nach unserem Vorschlag wä- ren die ersten 100.000 Euro zudem von der Kapitalertrag- steuer befreit, natürlich in der Hoffnung, dass der eine oder die andere auch mehr zeichnet als 100.000 Euro.Die Anreiz- wirkung wäre gegeben, und so wären auch beachtenswerte Summen zu mobilisieren. Und ein solcher Fonds wäre ebenfalls mit nur geringem Aufwand umzusetzen. Inwiefern? Michael Dittrich: Das Gesetz zur Stärkung des Fondsstandorts Deutschland hat vor drei Jahren offene Infrastrukturfonds ermöglicht.Wir haben uns das angeschaut und sind zu dem Schluss gekommen, dass man dort nur ein relativ kleines Kapitel mit einigen wenigen Zusatzvorschriften für nach- haltige Infrastrukturfonds einbauen müsste. Wobei sich natürlich seit Kurzem die Frage stellt, wann die Politik für solche Vorschläge wieder aufnahmebereit sein wird. Ein gro- ßer Wurf in Bezug auf das Erreichen der Klimaneutralität wäre es in beiden Fällen. Wir danken für das Gespräch! HANS HEUSER 78 N o . 4/2024 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Michael Dittrich | Deutsche Bundesstiftung Umwelt FOTO: © JOSE POBLETE » Die Finanzierung der Klimaneutralität Deutschlands bis 2050 kann nur durch gemeinsames Engagement von Staat, Banken, Unternehmen und privaten Anlegern erreicht werden. « Michael Dittrich, Leiter Kapitalanlagen, DBU

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