Institutional Money, Ausgabe 4 | 2024
in verzinslichen Werten nach Marktwerten investiert, etwa 30 Prozent haben wir in Aktien angelegt, und etwa 15 Pro- zent entfallen auf Sachwerte. Wobei die Sachwerte sich je zur Hälfte in Immobilien und Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien aufteilen. Was im Vergleich zu einem Investor wie eine Versicherung oder ein Pensionsfonds auf einen durchaus hohen Anteil an Aktien- anlagen und Real Assets hinausläuft. Michael Dittrich: Und das durchaus bewusst, denn wir haben natürlich den großen Vorteil, dass wir nicht reguliert sind. Eine Versicherung etwa muss jederzeit nachweisen können, dass sie alle Verpflichtungen vollständig erfüllen kann. Das schränkt natürlich das zur Verfügung stehende Risikobudget eines regulierten Investors ein. Als Stiftung können wir da erfreulicherweise erheblich freier agieren. Das ist ein großer Vorteil, wie sich über die Jahre und natürlich gerade in der Niedrigzinsphase, als wir über unsere Aktieninvestments sehr viel mehr Möglichkeiten gehabt haben, erwiesen hat. Wobei ich ergänzen möchte, dass wir das klassische magi- sche Dreieck aus Ertrag, Risiko und Liquidität schon vor 20 Jahren bewusst um einen vierten Pfeiler ergänzt haben. In welcher Form? Michael Dittrich: Indem wir die Nachhaltigkeit miteinbezo- gen haben. Seit dem Jahr 2005 ist Nachhaltigkeit ein vom Controlling messbares Element, auch mit bestimmten Vor- gaben. Insofern haben wir diesen vierten Aspekt zu einem integralen Bestandteil unseres Asset Managements gemacht, indem wir schon damals begonnen haben, bestimmte Aus- schlusskriterien zu entwickeln und dann auch umzusetzen. Bestimmte Sektoren und Werte meiden wir seither bewusst und haben gleichzeitig festgelegt, dass ein bestimmter Pro- zentsatz unserer Aktien und verzinslichen Werte in börsen- notierte Unternehmen investiert wird, die in bestimmten Nachhaltigkeitsindizes enthalten sein müssen. Dieser liegt bei 80 Prozent, heute liegen wir permanent drüber, wobei wir die 100 nicht ganz erreichen. Warum? Michael Dittrich: Das liegt vor allem daran, dass wir auch in Small und Mid Caps investieren. Darunter sind auch Werte, die von den Ratingagenturen nicht oder noch nicht gecovert werden. Und es ist nicht sinnvoll, für unsere relativ kleinen Stückzahlen, die wir in diesen Werten halten, eine indivi- duelle Bewertung in Auftrag zu geben. Aber wir analysieren deren Geschäftsmodelle natürlich selbst mit unseren eige- nen Mitteln. Deshalb können wir heute sagen, dass zwi- schen 85 und 95 Prozent der börsennotierten Werte, an de- nen wir Kapitalanlagen halten – sei es auf der Aktienseite oder der Rentenseite –, im nachhaltigen Bereich operieren. Fürchten Sie keine Performancenachteile, die im Zusammenhang mit nachhaltigen Investments regelmäßig kolportiert werden? Michael Dittrich: Ganz im Gegenteil. Dass dieses seit vielen Jahren häufig vorgetragene Vorurteil bei langjähriger Betrachtung und ausreichender Diversifikation jeder Grund- lage entbehrt, haben wir unter anderem im Selbstversuch nachgewiesen. Bereits im Jahr 2007 hatten wir drei Spezial- fonds mit gleicher Asset Allocation, die damals noch kon- ventionell gemanagt wurden. Einen davon haben wir dann gegen eine nachhaltig gemanagte Version getauscht, um nach einigen Jahren – ein kürzerer Zeitraummacht keinen Sinn – festzustellen, dass der nachhaltig gemanagte Fonds eine deutlich bessere Performance aufwies als die konventio- nellen Varianten. Diesen Selbstversuch haben wir in zwei weiteren mehrjährigen Perioden wiederholt, um ein Zufalls- ergebnis auszuschließen. Das Ergebnis war immer eine bessere Wertentwicklung auf der Seite der nachhaltigen Fonds. Seither investieren wir auch bei unseren Spezialfonds ausschließlich nachhaltig. Wenn Sie eben gesagt haben, dass Sie sich mit Forderungen an die Politik zurückhalten, Vorschläge machen Sie aber schon, zumindest in Ihrer Funktion als Leiter der Arbeitsgruppe Kapital- markt im Sustainable-Finance-Beirat. Michael Dittrich: Sie spielen auf zwei Diskussionspapiere an, die der Sustainable-Finance-Beirat vor Kurzem veröffentlicht hat.Diese sind aus der gemeinsamen Erkenntnis entstanden, dass die Finanzierung der Klimaneutralität Deutschlands bis 2050 nur durch gemeinsames Engagement von Staat, Ban- 76 N o . 4/2024 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Michael Dittrich | Deutsche Bundesstiftung Umwelt FOTO: © JOSE POBLETE » Wir haben das klassische magische Dreieck aus Ertrag, Risiko und Liquidität schon vor 20 Jahren um den vierten Pfeiler Nachhaltigkeit ergänzt. « Michael Dittrich, Leiter Kapitalanlagen, DBU
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